Dark Odyssey im Test: Grind-Paradies oder Zeitverschwendung?
Manchmal braucht man einfach ein Spiel, das läuft, während man Netflix schaut oder im Homeoffice arbeitet. Dark Odyssey verspricht genau das – ein Idle-MMORPG, das dich mit ständigem Loot und Fortschritt bei der Stange hält. Aber hält es auch, was es verspricht? Nach wochenlangem Testen kann ich sagen: Es ist kompliziert.
Das Grundkonzept: Simpel aber süchtig machend
Dark Odyssey ist im Kern ein klassisches Hack-and-Slash-Browsergame mit Idle-Mechaniken. Du erstellst deinen Charakter, hackst dich durch Monster und sammelst dabei Ausrüstung, Gold und Erfahrungspunkte. Das Besondere: Dein Held kämpft auch weiter, wenn du nicht am Bildschirm sitzt. Perfect für alle, die keine Zeit für stundenlanges Mikromanagement haben.
Die Story ist dabei eher Nebensache. Eine böse Orkarmee bedroht das Land und du bist natürlich der Auserwählte, der sie aufhalten muss. Mehr Tiefe darf man hier nicht erwarten – und das ist auch völlig okay. Denn Dark Odyssey lebt nicht von seiner Erzählung, sondern vom Dopamin-Kick des ständigen Fortschritts.
Gameplay: Grinden bis der Arzt kommt
Das Kampfsystem ist denkbar einfach: Du wählst ein Gebiet aus, dein Charakter kämpft automatisch gegen Monster und du kassierst die Belohnungen. Zwischendurch tauschst du bessere Ausrüstung aus, verbesserst deine Stats und suchst dir neue Jagdgründe.
Was anfangs entspannend ist, wird aber schnell eintönig. Die Kämpfe laufen immer gleich ab, strategische Elemente gibt es kaum. Du klickst dich durch Menüs, vergleichst Zahlen und hoffst auf besseren Loot. Für Fans von komplexen Kampfsystemen ist das definitiv nichts.
Loot-System: Die Karotte vor der Nase
Hier zeigt Dark Odyssey seine Stärken. Das Loot-System ist darauf ausgelegt, dich ständig bei der Stange zu halten. Alle paar Minuten droppt irgendwas Neues – mal ein besseres Schwert, mal ein seltener Ring. Die Seltenheitsstufen von gewöhnlich bis legendär sorgen für den klassischen „noch einen Drop“-Effekt.
Besonders clever: Auch wenn du offline bist, sammelt dein Charakter weiter Items. Du kommst morgens an den PC und findest einen ganzen Haufen neuer Ausrüstung vor. Das motiviert definitiv zum Weiterspielen.
Die Ausrüstung selbst ist allerdings ziemlich generisch. Schwert Nr. 47 sieht genauso aus wie Schwert Nr. 23, nur die Werte sind höher. Hier hätte man sich mehr Kreativität gewünscht.
Pets, Mounts und weitere Features
Neben dem Grundloop bietet Dark Odyssey einige zusätzliche Features. Pets helfen dir im Kampf und können selbst gelevelt werden. Mounts erhöhen deine Bewegungsgeschwindigkeit und sehen zumindest etwas cooler aus als dein Grundcharakter.
Die Dungeons bringen etwas Abwechslung ins Spiel. Hier warten stärkere Monster und bessere Belohnungen, dafür musst du aber auch mehr Aufmerksamkeit investieren. Die PvP-Arena ist ebenfalls vorhanden, aber eher ein Nebenschauplatz. Die meiste Zeit kämpfst du ohnehin gegen KI-Gegner.
Optik: Funktional, aber lieblos
Kommen wir zu einem wunden Punkt: Dark Odyssey sieht einfach nicht gut aus. Die Grafiken wirken wie aus dem Jahr 2005, die Animationen sind steif und die Benutzeroberfläche ist alles andere als elegant. Hier wurde offensichtlich am falschen Ende gespart.
Das Interface ist zwar funktional, aber unübersichtlich. Besonders Neulinge werden sich erst mal durch die verschiedenen Menüs wühlen müssen. Eine modernere, intuitivere Gestaltung wäre hier definitiv hilfreich gewesen.
Progression und Langzeitmotivation
Trotz aller Kritik hat Dark Odyssey einen entscheidenden Vorteil: Es gibt immer etwas zu tun. Neue Gebiete werden freigeschaltet, Fähigkeiten können verbessert werden und die nächste Ausrüstungsverbesserung lockt bereits. Für Grinding-Fans ist das ein Paradies.
Das Problem: Nach ein paar Wochen wird klar, dass sich alles nur wiederholt. Die Gebiete sehen anders aus, die Monster haben andere Namen, aber im Kern machst du immer dasselbe. Wer Abwechslung sucht, wird hier nicht glücklich.
Tipps für Einsteiger
Falls ihr Dark Odyssey trotzdem ausprobieren wollt, hier meine wichtigsten Tipps:
Konzentriert euch anfangs auf ein Gebiet und farmt dort, bis ihr deutlich stärker seid als die Monster. Dann erst in neue Bereiche vordringen. Investiert früh in Pets – die helfen langfristig deutlich mehr als teure Ausrüstung. Und lasst das Spiel ruhig nebenbei laufen, während ihr andere Dinge macht.
Fazit: Nischenpublikum wird glücklich
Dark Odyssey ist kein schlechtes Spiel, aber definitiv nicht für jeden. Wer entspannte Idle-Action sucht und dabei abschalten will, kann hier durchaus Spaß haben. Das konstante Progression-System funktioniert und die Loot-Mechanik ist durchaus süchtig machend.
Allerdings solltet ihr nicht zu viel erwarten. Optisch ist es ein Graus, spielerisch eintönig und innovativ ist es auch nicht. Es ist Fast Food für MMORPG-Fans – schnell, einfach und nicht besonders nahrhaft, aber manchmal hat man einfach Lust drauf.



